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Das Nibelungenlied

Unknown

German



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Below is a summary of Das Nibelungenlied






Proofreading Team



DAS NIBELUNGENLIED

Uebersetzt

von

KARL SIMROCK







Vorrede.

Den Vorwurf, der meinen Uebersetzungen aus dem Mittelhochdeutschen, der
Nibelungen namentlich, gemacht worden ist, als hätten sie den
Originalen Abbruch gethan, könnte ich mir schon gefallen laßen, denn
sie müsten sie, wenn er begründet sein sollte, übertroffen haben.
Leider vermag das keine Uebersetzung, und so werde ich mich statt jenes
schmeichelhaften Tadels mit dem bescheidenen Lobe begnügen müßen,
Unzählige, und vielleicht den Ankläger selbst, den Originalen zugeführt
zu haben. Daß dieß Uebersetzungen, und zwar besonders solche thun, die
Zeile für Zeile, gleichsam Wort für Wort übertragen, ist Goethes
Ausspruch, auf den ich mich schon im Freidank S. XIII. berufen durfte.
"Sie erregen," sagt der Altmeister, "eine unwiderstehliche Sehnsucht
nach dem Original." Weil aber immer etwas hangen bleibt, will ich, die
Anklage ganz aus dem Felde zu schlagen, diese Sehnsucht zu befriedigen
helfen, indem ich das Original neben die Uebersetzung stelle.

Ueber den Schaden, welchen Uebersetzungen anrichten könnten, (seht was
ein storch den foeten schade, noch minre schaden hânt si mîn), habe ich
mich in der Vorrede zur 1. Aufl. mit stärkern Worten ausgesprochen als
ich es hier nach dem Spruche de mortuis nil nisi bene dürfte. Ich laße
aber diese frühe Vorrede auch aus andern Gründen wieder abdrucken, muß
indes bemerken, daß ich jetzt nicht mehr drei, sondern vier Hebungen im
ersten Halbvers annehme. Ferner laß ich, weil darin zweier in der
"Einleitung" mitgetheilter Gedichte und einer "Weihe" gedacht ist, auch
diese folgen; ja vielleicht wird es mir nicht verdacht, wenn ich auch
die Erwiederung Fouqués, an welchen jene "Weihe" gerichtet war, aus dem
Gesellschafter, 1827 Nr. 85 (28. Mai) einrücke.

Um das Auge nicht zu beleidigen, geb ich Urschrift und Uebersetzung mit
der gleichen Schrift, die mir, nachdem einige Zeichen hinzugekommen
sind, auch für das Mittelhochdeutsche die geeignete scheint. Das
Neuhochdeutsche anlangend, so hat Jacob Grimm, der sich in einem Briefe
an F. Pfeiffer beschwert, daß er nicht einmal das ß, wo es organisch
ist, durchzusetzen vermocht habe, dieß durch den Gebrauch der runden
Schrift, die man ausschließlich lateinisch zu nennen pflegt, als ob die
eckige nicht den gleichen Ursprung hätte, selber verwirkt, denn diese
Schrift hat kein ß, und nicht Jeder ist in der Lage, sich eins
schnitzen zu laßen, ja er selber war es nicht immer. Sie hat eigentlich
auch kein k und verführte J. Grimm selbst zu der ungeheuerlichen
Schreibung Cöln, was Zöln gesprochen werden müste, vergl. Cölibat, und
also die Kölner, die sich ihrer bedienen, zu Zölnern und Sündern wider
die deutsche Lautlehre macht. Für das Mittelhochdeutsche hat sie erst
Beneke und in den Nibelungen Lachmann durchgesetzt; jedoch hat Lachmann
die Prachtausgabe seiner Zwanzig Lieder mit eigens dazu gegoßenen
wunderschönen eckigen s.g. deutschen Lettern drucken laßen. Ich selbst
habe sowohl im _Lesebuch_ als im _Wartburgkrieg_ zu der s.g.
lateinischen greifen müßen, weil es da der Mühe nicht lohnte, für die
Umlaute des langen a und o sowie für das weichere z, das wir ß nennen
und schreiben, eigene Zeichen (æ und oe und z) schnitzen und gießen zu
laßen, wie das hier geschehen konnte.

Die Nebeneinanderstellung von Text und Original nöthigte zu genauerm
Anschluß an das Original, das aber erst redigiert werden muste, denn
ich konnte keiner der drei Faßungen (Recensionen), in denen das Gedicht
vorliegt, ausschließlich vertrauen: keine bewahrt allein das Echte, ja
in keiner sind alle Strophen vereinigt, durch deren Verbindung Original
und Uebersetzung nun einige hundert Strophen mehr zählen als die
Handschrift A, deren Text ich zwar zu Grunde legte, von dem ich aber
unzählige Mal abgewichen bin, manchmal vielleicht ohne Noth, aber
schwerlich je ohne Grund. Nur in gleichgültigen Fällen hab ich den Text
vorgezogen, der sich am wohllautendsten übertragen ließ. So ist
allerdings mein Text kein kritischer; aber er wird dem endgültig durch
die Kritik herzustellenden in den meisten Fällen vorgearbeitet haben.

Die bisherigen kritischen Ausgaben haben sich Einer der drei Faßungen
des Textes, welche man mit A, B und C zu bezeichnen pflegt, näher
angeschloßen: die von der Hagensche von 1826 hielt sich an B (St.
Galler Handschrift), die Lachmannsche an A, die Holtzmannsche und
Zarnckesche an C, und indem Jeder die seinige für die echte und
alleinseligmachende erklärte, erwarben sie sich das große Verdienst,
uns von jeder dieser drei Faßungen ein zuverläßiges und anschauliches
Bild vor Augen gestellt, und so der Ermittelung des ursprünglichen
allen dreien zu Grunde liegenden Textes Vorschub geleistet zu haben.
Einen Anfang zu solcher Kritik hat Bartsch (Untersuchungen über das
Nibelungenlied, 1865) gemacht; aber seine Ausgabe, die zu B
zurückgekehrt ist, benutzt die gewonnenen Ergebnisse nur theilweise.

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