Was die Großmutter gelehrt hat - Erzählung
Spyri, Johanna, 1827-1901
German
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Below is a summary of Was die Großmutter gelehrt hat - Erzählung
Was die Grossmutter gelehrt hat
Erzaehlung
Johanna Spyri
1. Kapitel
Der Kummer der alten Waschkaethe
Die alte Waschkaethe sass in ihrem Stuebchen im einsamen Berghuettchen und
schaute nachdenklich auf ihre gekruemmten Haende, die sie vor sich auf
die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen
Waldhoehen verglommen war, hatte sie fleissig an ihrem Spinnrad
gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerueckt, die Haende
mussten muede sein, die so gekruemmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte
seufzte auf und sagte vor sich hin: "Ja, wenn ich noch koennte wie
frueher!" Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben
lang getan. Nun war sie alt geworden, und die frueher so ruestige und
unermuedliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig
spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon
seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr
Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen
konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein
flinkes und geschicktes Kind.
Heute erfuellte die Grossmutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr
schon seit dem fruehen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr
Enkelkind, das froehliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte,
war zwoelf Jahre alt geworden. Es sollte im Fruehling aus der Schule
entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute frueh nun war
der ferne Vetter unten aus dem Reusstal heraufgekommen und hatte der
alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er
hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort
unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der
wasserreichen Reuss erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskraefte.
Dort konnte das Trini die Woche ueber ein schoenes Stueck Geld verdienen,
und daneben konnte es die noetige Arbeit in seinem Haus verrichten,
dafuer wollte er es beherbergen. Da seine Frau kraenklich war und sie
keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwuenscht, denn
sie wussten, dass es gross und kraeftig und sehr geschickt war.
Die Grossmutter halte schweigend zugehoert, aber in ihrem Herzen hatten
die Worte einen grossen Kampf entfacht. Der Vetter wuenschte auch, dass
das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr koenne
schon abgekuerzt werden, es wisse genug und koenne dann gleich etwas
verdienen. Ausserdem haette seine Frau es im Winter besonders noetig.
Die Grossmutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter
draengte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er muesse ihr
ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht
entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie muesse
sich das alles erst noch ueberlegen und dann auch mit dem Kinde reden.
Der Vetter war nicht recht zufrieden, er haette gern gleich alles
festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte.
Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch
keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die
Grossmutter blieb standhaft. Im Herbst moege er noch einmal kommen,
dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann
einverstanden sei, so koenne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen,
fuer den Augenblick koenne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie.
Der Vetter sah, dass da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die
alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht ausser acht zu lassen. Es sei ja
doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie
nachher auch unterstuetzen koenne. Dann ging er.
Schon den ganzen Tag waehrend der Arbeit dachte die Grossmutter nach
ueber die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschluss fassen.
Jetzt in der Daemmerung ueberlegte sie in Ruhe, und sie musste ein
paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein
grosser Vorteil fuer das Kind, dass es in seinem Haus wohnen konnte, um
von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie
selbst wusste keinen vorteilhafteren Weg fuer das Kind, sie wusste
eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Gueter, die die
Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder
genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder
im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da mussten es
aeltere Maedchen sein. Es waren kraeftige, erwachsene Personen, die in
Kueche und Garten zu arbeiten wussten.
Auch die Goldaepfelbaeuerin auf dem grossen, obstreichen Hof hatte immer
eine Magd, aber auch eine grosse, starke, die ihr in allem helfen
konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Baeuerin bleiben.
Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht
machen konnte, was waere dann ein Kind wie das Trini fuer sie. Dass das
Kind aber im Fruehjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde,
eine Arbeit suchen musste, das sah die Grossmutter wohl ein. Seit sie
nicht mehr wie frueher als Waescherin auf die Arbeit gehen konnte,
sondern nur muehsam mit ihren gekruemmten Fingern am Spinnrad arbeitete,
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