Jenseits von Gut und Böse
Nietzsche, Friedrich Wilhelm, 1844-1900
German
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Below is a summary of Jenseits von Gut und Böse
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Friedrich Nietzsche
Jenseits von Gut und Boese
Inhalt
Vorrede
1. Hauptstueck: Von den Vorurtheilen der Philosophen.
2. Hauptstueck: Der freie Geist.
3. Hauptstueck: Das religioese Wesen.
4. Hauptstueck: Sprueche und Zwischenspiele.
5. Hauptstueck: Zur Naturgeschichte der Moral.
6. Hauptstueck: Wir Gelehrten.
7. Hauptstueck: Unsere Tugenden.
8. Hauptstueck: Voelker und Vaterlaender.
9. Hauptstueck: Was ist vornehm?
Aus hohen Bergen. Nachgesang.
Jenseits von Gut und Boese
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.
Vorrede.
Vorausgesetzt, dass die Wahrheit ein Weib ist -, wie? ist der Verdacht
nicht gegruendet, dass alle Philosophen, sofern sie Dogmatiker waren,
sich schlecht auf Weiber verstanden? dass der schauerliche Ernst,
die linkische Zudringlichkeit, mit der sie bisher auf die Wahrheit
zuzugehen pflegten, ungeschickte und unschickliche Mittel waren, um
gerade ein Frauenzimmer fuer sich einzunehmen? Gewiss ist, dass sie
sich nicht hat einnehmen lassen: - und jede Art Dogmatik steht heute
mit betruebter und muthloser Haltung da. Wenn sie ueberhaupt noch
steht! Denn es giebt Spoetter, welche behaupten, sie sei gefallen,
alle Dogmatik liege zu Boden, mehr noch, alle Dogmatik liege in den
letzten Zuegen. Ernstlich geredet, es giebt gute Gruende zu der
Hoffnung, dass alles Dogmatisiren in der Philosophie, so feierlich,
so end- und letztgueltig es sich auch gebaerdet hat, doch nur eine
edle Kinderei und Anfaengerei gewesen sein moege; und die Zeit ist
vielleicht sehr nahe, wo man wieder und wieder begreifen wird, was
eigentlich schon ausgereicht hat, um den Grundstein zu solchen
erhabenen und unbedingten Philosophen-Bauwerken abzugeben, welche
die Dogmatiker bisher aufbauten, - irgend ein Volks-Aberglaube aus
unvordenklicher Zeit (wie der Seelen-Aberglaube, der als Subjekt-
und Ich-Aberglaube auch heute noch nicht aufgehoert hat, Unfug zu
stiften), irgend ein Wortspiel vielleicht, eine Verfuehrung von Seiten
der Grammatik her oder eine verwegene Verallgemeinerung von sehr
engen, sehr persoenlichen, sehr menschlich-allzumenschlichen
Thatsachen. Die Philosophie der Dogmatiker war hoffentlich nur ein
Versprechen ueber Jahrtausende hinweg: wie es in noch frueherer Zeit
die Astrologie war, fuer deren Dienst vielleicht mehr Arbeit, Geld,
Scharfsinn, Geduld aufgewendet worden ist, als bisher fuer irgend eine
wirkliche Wissenschaft: - man verdankt ihr und ihren "ueberirdischen"
Anspruechen in Asien und Agypten den grossen Stil der Baukunst. Es
scheint, dass alle grossen Dinge, um der Menschheit sich mit ewigen
Forderungen in das Herz einzuschreiben, erst als ungeheure und
furchteinfloessende Fratzen ueber die Erde hinwandeln muessen: eine
solche Fratze war die dogmatische Philosophie, zum Beispiel die
Vedanta-Lehre in Asien, der Platonismus in Europa. Seien wir nicht
undankbar gegen sie, so gewiss es auch zugestanden werden muss, dass
der schlimmste, langwierigste und gefaehrlichste aller Irrthuemer
bisher ein Dogmatiker-Irrthum gewesen ist, naemlich Plato's Erfindung
vom reinen Geiste und vom Guten an sich. Aber nunmehr, wo er
ueberwunden ist, wo Europa von diesem Alpdrucke aufathmet und zum
Mindesten eines gesunderen - Schlafs geniessen darf, sind wir,
deren Aufgabe das Wachsein selbst ist, die Erben von all der Kraft,
welche der Kampf gegen diesen Irrthum grossgezuechtet hat. Es hiess
allerdings die Wahrheit auf den Kopf stellen und das Perspektivische,
die Grundbedingung alles Lebens, selber verleugnen, so vom Geiste
und vom Guten zu reden, wie Plato gethan hat; ja man darf, als Arzt,
fragen: "woher eine solche Krankheit am schoensten Gewaechse des
Alterthums, an Plato? hat ihn doch der boese Sokrates verdorben? waere
Sokrates doch der Verderber der Jugend gewesen? und haette seinen
Schlierling verdient?" - Aber der Kampf gegen Plato, oder, um es
verstaendlicher und fuer's "Volk" zu sagen, der Kampf gegen den
christlich-kirchlichen Druck von Jahrtausenden - denn Christenthum ist
Platonismus fuer's "Volk" - hat in Europa eine prachtvolle Spannung
des Geistes geschaffen, wie sie auf Erden noch nicht da war: mit
einem so gespannten Bogen kann man nunmehr nach den fernsten Zielen
schiessen. Freilich, der europaeische Mensch empfindet diese Spannung
als Nothstand; und es ist schon zwei Mal im grossen Stile versucht
worden, den Bogen abzuspannen, einmal durch den Jesuitismus, zum
zweiten Mal durch die demokratische Aufklaerung: - als welche mit
Huelfe der Pressfreiheit und des Zeitunglesens es in der That
erreichen duerfte, dass der Geist sich selbst nicht mehr so leicht
als "Noth" empfindet! (Die Deutschen haben das Pulver erfunden - alle
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