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Mozart auf der Reise nach Prag

Mörike, Eduard Friedrich, 1804-1875

German



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Below is a summary of Mozart auf der Reise nach Prag


Gerd Bouillon.




Eduard Moerike

Mozart auf der Reise nach Prag

Eine Novelle



Im Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart in Begleitung seiner Frau
eine Reise nach Prag, um 'Don Juan' daselbst zur Auffuehrung zu
bringen.

Am dritten Reisetag, den vierzehnten September, gegen elf Uhr morgens,
fuhr das wohlgelaunte Ehepaar, noch nicht viel ueber dreissig Stunden
Wegs von Wien entfernt, in nordwestlicher Richtung jenseits vom
Mannhardsberg und der deutschen Thaya bei Schrems, wo man das schoene
Maehrische Gebirg bald vollends ueberstiegen hat.

'Das mit drei Postpferden bespannte Fuhrwerk', schreibt die Baronesse
von T. an ihre Freundin, 'eine stattliche, gelbrote Kutsche, war
Eigentum einer gewissen alten Frau Generalin Volkstett, die sich
auf ihren Umgang mit dem Mozartischen Hause und ihre ihm erwiesenen
Gefaelligkeiten von jeher scheint etwas zugut getan zu haben.' - Die
ungenaue Beschreibung des fraglichen Gefaehrts wird sich ein Kenner
des Geschmacks der Achtziger Jahre noch etwa durch einige Zuege
ergaenzen. Der gelbrote Wagen ist hueben und drueben am Schlage mit
Blumenbuketts, in ihren natuerlichen Farben gemalt, die Raender mit
schmalen Goldleisten verziert, der Anstrich aber noch keineswegs von
jenem spiegelglatten Lack der heutigen Wiener Werkstaetten glaenzend,
der Kasten auch nicht voellig ausgebaucht, obwohl nach unten zu kokett
mit einer kuehnen Schweifung eingezogen; dazu kommt ein hohes Gedeck
mit starrenden Ledervorhaengen, die gegenwaertig zurueckgestreift
sind.

Von dem Kostuem der beiden Passagiere sei ueberdies so viel bemerkt.
Mit Schonung fuer die neuen, im Koffer eingepackten Staatsgewaender
war der Anzug des Gemahls bescheidentlich von Frau Konstanzen
ausgewaehlt; zu der gestickten Weste von etwas verschossenem Blau sein
gewohnter brauner Ueberrock mit einer Reihe grosser und dergestalt
fassonierter Knoepfe, dass eine Lage roetliches Rauschgold durch ihr
sternartiges Gewebe schimmerte, schwarzseidene Beinkleider, Struempfe
und auf den Schuhen vergoldete Schnallen. Seit einer halben Stunde hat
er wegen der fuer diesen Monat ausserordentlichen Hitze sich des Rocks
entledigt und sitzt, vergnueglich plaudernd, barhaupt, in Hemdaermeln
da. Madame Mozart traegt ein bequemes Reisehabit, hellgruen und weiss
gestreift; halb aufgebunden faellt der Ueberfluss ihrer schoenen
lichtbraunen Locken auf Schultern und Nacken herunter; sie waren zeit
ihres Lebens noch niemals von Puder entstellt, waehrend der starke,
in einen Zopf gefasste Haarwuchs ihres Gemahls fuer heute nur
nachlaessiger als gewoehnlich damit versehen ist.

Man war eine sanft ansteigende Hoehe zwischen fruchtbaren Feldern,
welche hie und da die ausgedehnte Waldung unterbrachen, gemachsam
hinauf und jetzt am Waldsaum angekommen.

"Durch wieviel Waelder", sagte Mozart, "sind wir nicht heute, gestern
und ehegestern schon passiert! - Ich dachte nichts dabei, geschweige
dass mir eingefallen waere, den Fuss hineinzusetzen. Wir steigen
einmal aus da, Herzenskind, und holen von den blauen Glocken, die
dort so huebsch im Schatten stehn. Deine Tiere, Schwager, moegen ein
bisschen verschnaufen."

Indem sie sich beide erhoben, kam ein kleines Unheil an den Tag,
welches dem Meister einen Zank zuzog. Durch seine Achtlosigkeit war
ein Flakon mit kostbarem Riechwasser aufgegangen und hatte seinen
Inhalt unvermerkt in die Kleider und Polster ergossen. "Ich haett es
denken koennen", klagte sie; "es duftete schon lang so stark. O weh,
ein volles Flaeschchen echte Rosee d'Aurore rein ausgeleert! Ich
sparte sie wie Gold." - "Ei, Naerrchen", gab er ihr zum Trost
zurueck, "begreife doch, auf solche Weise ganz allein war uns dein
Goetter-Riechschnaps etwas nuetze. Erst sass man in einem Backofen,
und all dein Gefaechel half nichts, bald aber schien der ganze Wagen
gleichsam ausgekuehlt; du schriebst es den paar Tropfen zu, die ich
mir auf den Jabot goss; wir waren neu belebt, und das Gespraech floss
munter fort, statt dass wir sonst die Koepfe haetten haengen lassen
wie die Haemmel auf des Fleischers Karren, und diese Wohltat wird uns
auf dem ganzen Weg begleiten. Jetzt aber lass uns doch einmal zwei
wienerische Nosn recht express hier in die gruene Wildnis stecken!"

Sie stiegen Arm in Arm ueber den Graben an der Strasse und sofort
tiefer in die Tannendunkelheit hinein, die, sehr bald bis zur
Finsternis verdichtet, nur hin und wieder von einem Streifen Sonne auf
sammetnem Moosboden grell durchbrochen ward. Die erquickliche Frische,
im ploetzlichen Wechsel gegen die ausserhalb herrschende Glut, haette
dem sorglosen Mann ohne die Vorsicht der Begleiterin gefaehrlich
werden koennen. Mit Muehe drang sie ihm das in Bereitschaft gehaltene
Kleidungsstueck auf. -

"Gott, welche Herrlichkeit!" rief er, an den hohen Staemmen
hinaufblickend, aus: "man ist als wie in einer Kirche! Mir deucht, ich
war niemals in einem Wald und besinne mich jetzt erst, was es doch
heisst, ein ganzes Volk von Baeumen beieinander! Keine Menschenhand
hat sie gepflanzt, sind alle selbst gekommen und stehen so, nur eben,
weil es lustig ist, beisammen, wohnen und wirtschaften. Siehst du, mit

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