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Nachtstücke

Hoffmann, E. T. A. (Ernst Theodor Amadeus), 1776-1822

German



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Below is a summary of Nachtstücke


Gerd Bouillon (gerd.bouillon@t-online.de), (reuter@abc.de), and
Gunter Hille (hille@abc.de).




Nachtstuecke



Erzaehlungen von E.T.A. Hoffmann



Erster Teil
Der Sandmann
Ignaz Denner
Die Jesuitenkirche in G.
Das Sanctus

Zweiter Teil
Das oede Haus
Das Majorat
Das Geluebde
Das steinerne Herz



Erster Teil



Der Sandmann

Nathanael an Lothar

Gewiss seid Ihr alle voll Unruhe, dass ich so lange - lange nicht
geschrieben. Mutter zuernt wohl, und Clara mag glauben, ich lebe hier
in Saus und Braus und vergesse mein holdes Engelsbild, so tief mir
in Herz und Sinn eingepraegt, ganz und gar. - Dem ist aber nicht
so; taeglich und stuendlich gedenke ich Eurer aller und in suessen
Traeumen geht meines holden Claerchens freundliche Gestalt vorueber
und laechelt mich mit ihren hellen Augen so anmutig an, wie sie wohl
pflegte, wenn ich zu Euch hineintrat. - Ach wie vermochte ich denn
Euch zu schreiben, in der zerrissenen Stimmung des Geistes, die mir
bisher alle Gedanken verstoerte! - Etwas Entsetzliches ist in mein
Leben getreten! - Dunkle Ahnungen eines graesslichen mir drohenden
Geschicks breiten sich wie schwarze Wolkenschatten ueber mich aus,
undurchdringlich jedem freundlichen Sonnenstrahl. - Nun soll ich Dir
sagen, was mir widerfuhr. Ich muss es, das sehe ich ein, aber nur
es denkend, lacht es wie toll aus mir heraus. - Ach mein herzlieber
Lothar! wie fange ich es denn an, Dich nur einigermassen empfinden zu
lassen, dass das, was mir vor einigen Tagen geschah, denn wirklich
mein Leben so feindlich zerstoeren konnte! Waerst Du nur hier, so
koenntest Du selbst schauen; aber jetzt haeltst Du mich gewiss fuer
einen aberwitzigen Geisterseher. - Kurz und gut, das Entsetzliche,
was mir geschah, dessen toedlichen Eindruck zu vermeiden ich
mich vergebens bemuehe, besteht in nichts anderm, als dass vor
einigen Tagen, naemlich am 30. Oktober mittags um 12 Uhr, ein
Wetterglashaendler in meine Stube trat und mir seine Ware anbot. Ich
kaufte nichts und drohte, ihn die Treppe herabzuwerfen, worauf er aber
von selbst fortging.

Du ahnest, dass nur ganz eigne, tief in mein Leben eingreifende
Beziehungen diesem Vorfall Bedeutung geben koennen, ja, dass wohl die
Person jenes unglueckseligen Kraemers gar feindlich auf mich wirken
muss. So ist es in der Tat. Mit aller Kraft fasse ich mich zusammen,
um ruhig und geduldig Dir aus meiner fruehern Jugendzeit so viel
zu erzaehlen, dass Deinem regen Sinn alles klar und deutlich in
leuchtenden Bildern aufgehen wird. Indem ich anfangen will, hoere ich
Dich lachen und Clara sagen: "Das sind ja rechte Kindereien!" - Lacht,
ich bitte Euch, lacht mich recht herzlich aus! - ich bitt Euch sehr!
- Aber Gott im Himmel! die Haare straeuben sich mir und es ist, als
flehe ich Euch an, mich auszulachen, in wahnsinniger Verzweiflung, wie
Franz Moor den Daniel. - Nun fort zur Sache!

Ausser dem Mittagsessen sahen wir, ich und mein Geschwister, tagueber
den Vater wenig. Er mochte mit seinem Dienst viel beschaeftigt sein.
Nach dem Abendessen, das alter Sitte gemaess schon um sieben Uhr
aufgetragen wurde, gingen wir alle, die Mutter mit uns, in des Vaters
Arbeitszimmer und setzten uns um einen runden Tisch. Der Vater rauchte
Tabak und trank ein grosses Glas Bier dazu. Oft erzaehlte er uns viele
wunderbare Geschichten und geriet darueber so in Eifer, dass ihm die
Pfeife immer ausging, die ich, ihm brennend Papier hinhaltend, wieder
anzuenden musste, welches mir denn ein Hauptspass war. Oft gab er
uns aber Bilderbuecher in die Haende, sass stumm und starr in seinem
Lehnstuhl und blies starke Dampfwolken von sich, dass wir alle wie im
Nebel schwammen. An solchen Abenden war die Mutter sehr traurig und
kaum schlug die Uhr neun, so sprach sie: "Nun Kinder! - zu Bette!
zu Bette! der Sandmann kommt, ich merk es schon." Wirklich hoerte
ich dann jedesmal etwas schweren langsamen Tritts die Treppe
heraufpoltern; das musste der Sandmann sein. Einmal war mir jenes
dumpfe Treten und Poltern besonders graulich; ich frug die Mutter,
indem sie uns fortfuehrte: "Ei Mama! wer ist denn der boese Sandmann,
der uns immer von Papa forttreibt? - wie sieht er denn aus?" - "Es
gibt keinen Sandmann, mein liebes Kind", erwiderte die Mutter: "wenn
ich sage, der Sandmann kommt, so will das nur heissen, ihr seid
schlaefrig und koennt die Augen nicht offen behalten, als haette man
euch Sand hineingestreut." - Der Mutter Antwort befriedigte mich

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