Das Mädchen von Treppi
Heyse, Paul, 1830-1914
German
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Below is a summary of Das Mädchen von Treppi
Das Maedchen von Treppi
Paul Heyse
Novelle
(1855)
Auf der Hoehe des Apennin, wo er sich zwischen Toskana und dem
noerdlichen Teil des Kirchenstaats hinzieht, liegt ein einsames
Hirtendorf, Treppi genannt. Die Pfade, die hinauffuehren, sind fuer
Wagen unzugaenglich. Viele Stunden weiter nach Sueden in grossem Umweg
ueberschreitet die Strasse der Posten und Vetturine* das Gebirge.
Treppi vorueber ziehen nur Bauern, die mit den Hirten zu handeln haben,
selten ein Maler oder ein landstrassenscheuer Fusswanderer, und in den
Naechten die Schmuggler mit ihren Saumtieren, die das oede Dorf, wo sie
kurze Rast machen, auf noch viel rauheren Felswegen zu erreichen
wissen, als alle andern.
{ed. * Wagen}
Es war erst gegen die Mitte Oktobers, eine Zeit, wo die Naechte in
dieser Hoehe noch von grosser Klarheit zu sein pflegen. Heute aber
hatte sich nach dem sonnenheissen Tage ein feiner Nebel aus den
Schluchten heraufgewaelzt und breitete sich langsam ueber die
edelgeformten nackten Felszuege des Hochlandes. Es mochte gegen neun
Uhr abends sein. In den zerstreuten niedrigen Steinhuetten, die ueber
Tag nur von den aeltesten Weibern und juengsten Kindern bewacht werden,
glommen nur noch schwache Feuerscheine. Um die Herde, ueber denen die
grossen Kessel wankten, lagen die Hirten mit ihren Familien und
schliefen; die Hunde hatten sich in die Asche gestreckt; eine
schlaflose Grossmutter sass wohl noch auf einem Haufen Felle und bewegte
mechanisch die Spindel hin und her, Gebete murmelnd, oder ein unruhig
schlafendes Kind im Korbe schaukelnd. Die Nachtluft zog feucht und
herbstlich durch die handgrossen Luecken in der Mauer, und der Rauch der
ruhig ausbrennenden Herdflamme, der jetzt vom Nebel gedraengt wurde,
schlug schwerfaellig zurueck und floss an der Decke der Huette hin, ohne
dass es der Alten beschwerlich ward. Hernach schlief auch sie mit
offenen Augen, soviel sie konnte.
Nur in einem Hause war noch Bewegung. Es hatte auch nur ein Stockwerk
wie die andern; aber die Steine waren besser gefugt, die Tuer breiter
und hoeher, und an das weite Viereck, das die eigentliche Wohnung
ausmachte, lehnten sich mancherlei Schuppen, angebaute Kammern, Staelle
und ein gut gemauerter Backofen. Vor der Haustuer stand ein Trupp
beladener Pferde, denen ein Bursch eben die geleerten Krippen wegriss,
waehrend sechs bis sieben bewaffnete Maenner aus dem Hause traten, in
den Nebel hinaus, und eilig ihre Tiere ruesteten. Ein uralter Hund,
der neben der Tuer lag, bewegte nur leicht den Schweif, als sie
aufbrachen. Dann erhob er sich muede von der Erde und ging langsam in
das Innere der Huette, wo das Feuer noch hell brannte. Am Herde stand
seine Herrin, dem Feuer zugewendet, die stattliche Gestalt regungslos,
die Arme an den Hueften herabhangend. Als der Hund mit der Schnauze
sanft gegen ihre Hand ruehrte, wandte sie sich, als schrecke sie aus
Traeumen auf. "Fuoco", sagte sie, "mein armes Tier, geh schlafen, du
bist krank!"--Der Hund winselte und bewegte den Schweif dankbar. Dann
kroch er auf ein altes Fell neben dem Herd und streckte sich hustend
und winselnd nieder.
Indessen waren auch einige Knechte hereingekommen und hatten sich um
den grossen Tisch an die Schuessel gesetzt, welche die abziehenden
Schmuggler soeben verlassen hatten. Eine alte Magd fuellte sie aus dem
grossen Kessel von neuem mit Polenta, und setzte sich nun ebenfalls mit
ihrem Loeffel zu den andern. Waehrend sie assen, wurde kein Wort laut;
die Flamme knisterte, der Hund stoehnte heiser aus dem Schlaf, das
ernsthafte Maedchen sass auf den Steinplatten des Herdes, liess das
Schuesselchen mit der Polenta, das ihr die Magd besonders hingestellt
hatte, unberuehrt und sah in der Halle umher, ohne Gedanken in sich
versunken. Vor der Tuer stand der Nebel jetzt schon wie eine weisse
Wand. Aber zugleich ging der halbe Mond eben hinter dem Rand des
Felsens in die Hoehe.
Da kam es wie Hufschlag und Menschentritte die Strasse herauf.--"Pietro!"
rief die junge Hausherrin mit ruhig erinnerndem Ton. Ein langer
Bursch stand augenblicklich vom Tisch auf und verschwand im Nebel.
Man hoerte jetzt die Schritte und Stimmen naeher, endlich hielt das
Pferd am Hause. Noch eine Weile, dann erschienen drei Maenner unter
der Tuer und traten mit kurzem Gruss ein. Pietro naeherte sich dem
Maedchen, das teilnahmlos in die Flamme sah. "Es sind zwei von
Porretta", sagte er ihr, "Ohne Waren; sie fuehren einen Signore ueber
die Berge, der seine Paesse nicht in Ordnung hat."
"Nina!" rief das Maedchen. Die alte Magd stand auf und kam an den Herd.
"Das ist's nicht allein, dass sie essen wollen, Padrona", fuhr der
Bursch fort. "Ob der Herr ein Lager haben kann fuer die Nacht. Er
will nicht weiter vor Tagesanbruch."
"Mach ihm eine Streu in der Kammer." Pietro nickte und ging wieder an
den Tisch.
Die drei hatten Platz genommen, ohne dass die Knechte sie einer
besondern Aufmerksamkeit wuerdigten. Es waren zwei Contrabbandieri,
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