Märchen-Almanach auf das Jahr 1828
Hauff, Wilhelm, 1802-1827
German
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Below is a summary of Märchen-Almanach auf das Jahr 1828
Maerchen-Almanach auf das Jahr 1828
Wilhelm Hauff
Inhalt:
Das Wirtshaus im Spessart (Rahmenerzaehlung)
Die Sage vom Hirschgulden
Das kalte Herz I
Saids Schicksale
Die Hoehle von Steenfoll--Eine schottlaendische Sage
Das kalte Herz II
Das Wirtshaus im Spessart
Wilhelm Hauff
Vor vielen Jahren, als im Spessart die Wege noch schlecht und nicht
so haeufig als jetzt befahren waren, zogen zwei junge Burschen durch
diesen Wald. Der eine mochte achtzehn Jahre alt sein und war ein
Zirkelschmied, der andere, ein Goldarbeiter, konnte nach seinem
Aussehen kaum sechzehn Jahre haben und tat wohl jetzt eben seine
erste Reise in die Welt. Der Abend war schon heraufgekommen, und die
Schatten der riesengrossen Fichten und Buchen verfinsterten den
schmalen Weg, auf dem die beiden wanderten. Der Zirkelschmied
schritt wacker vorwaerts und pfiff ein Lied, schwatzte auch zuweilen
mit Munter, seinem Hund, und schien sich nicht viel darum zu kuemmern,
dass die Nacht nicht mehr fern, desto ferner aber die naechste Herberge
sei; aber Felix, der Goldarbeiter, sah sich oft aengstlich um. Wenn
der Wind durch die Baeume rauschte, so war es ihm, als hoere er Tritte
hinter sich; wenn das Gestraeuch am Wege hin und her wankte und sich
teilte, glaubte er Gesichter hinter den Bueschen lauern zu sehen.
Der junge Goldschmied war sonst nicht aberglaeubisch oder mutlos. In
Wuerzburg, wo er gelernt hatte, galt er unter seinen Kameraden fuer
einen unerschrockenen Burschen, dem das Herz am rechten Fleck sitze;
aber heute war ihm doch sonderbar zumute. Man hatte ihm vom Spessart
so mancherlei erzaehlt; eine grosse Raeuberbande sollte dort ihr Wesen
treiben, viele Reisende waren in den letzten Wochen gepluendert worden,
ja man sprach sogar von einigen greulichen Mordgeschichten, die vor
nicht langer Zeit dort vorgefallen seien. Da war ihm nun doch etwas
bange fuer sein Leben, denn sie waren ja nur zu zweit und konnten
gegen bewaffnete Raeuber gar wenig ausrichten. Oft gereute es ihn,
dass er dem Zirkelschmied gefolgt war, noch eine Station zu gehen,
statt am Eingang des Waldes ueber Nacht zu bleiben.
"Und wenn ich heute nacht totgeschlagen werde und um Leben und alles
komme, was ich bei mir habe, so ist's nur deine Schuld, Zirkelschmied;
denn du hast mich in den schrecklichen Wald hereingeschwaetzt."
"Sei kein Hasenfuss", erwiderte der andere, "ein rechter
Handwerksbursche soll sich eigentlich gar nicht fuerchten. Und was
meinst du denn? Meinst du, die Herren Raeuber im Spessart werden uns
die Ehre antun, uns zu ueberfallen und totzuschlagen? Warum sollten
sie sich diese Muehe geben? Etwa wegen meines Sonntagsrocks, den ich
im Ranzen habe, oder wegen des Zehrpfennigs von einem Taler? Da muss
man schon mit Vieren fahren, in Gold und Seide gekleidet sein, wenn
sie es der Muehe wert finden, einen totzuschlagen."
"Halt! Hoerst du nicht etwas pfeifen im Wald?" rief Felix aengstlich.
"Das war der Wind, der um die Baeume pfeift, geh nur rasch vorwaerts,
lange kann es nicht mehr dauern."
"Ja, du hast gut reden wegen des Totschlagens", fuhr der Goldarbeiter
fort. "Dich fragen sie, was du hast, durchsuchen dich und nehmen dir
allenfalls den Sonntagsrock und den Gulden und dreissig Kreuzer; aber
mich, mich schlagen sie gleich anfangs tot, nur weil ich Gold und
Geschmeide mit mir fuehre. "
"Ei, warum sollten sie dich totschlagen deswegen? Kaemen jetzt vier
oder fuenf dort aus dem Busch mit geladenen Buechsen, die sie auf uns
anlegten, und fragten ganz hoeflich: "Ihr Herren, was habt ihr bei
euch?" und "Machet es euch bequem, wir wollen's euch tragen helfen",
und was dergleichen anmutige Redensarten sind; da waerest du wohl kein
Tor, machtest dein Raenzchen auf und legtest die gelbe Weste, den
blauen Rock, zwei Hemden und alle Halsbaender und Armbaender und Kaemme,
und was du sonst noch hast, hoeflich auf die Erde und bedanktest dich
fuers Leben, das sie dir schenkten."
"So, meinst du", entgegnete Felix sehr eifrig, "den Schmuck fuer meine
Frau Pate, die vornehme Graefin, soll ich hergeben? Eher mein Leben;
eher lass ich mich in kleine Stuecke zerschneiden. Hat sie nicht
Mutterstelle an mir vertreten und seit meinem zehnten Jahr mich
aufziehen lassen? Hat sie nicht die Lehre fuer mich bezahlt und
Kleider und alles? Und jetzt, da ich sie besuchen darf und etwas
mitbringe von meiner eigenen Arbeit, das sie beim Meister bestellt
hat, jetzt, da ich ihr an dem schoenen Geschmeide zeigen koennte, was
ich gelernt habe, jetzt soll ich das alles hergeben und die gelbe
Weste dazu, die ich auch von ihr habe? Nein, lieber sterben, als dass
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