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Zuchthausgeschichten von einem ehemaligen Züchtling - Erster Theil

Hägele, Joseph M.

German



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Below is a summary of Zuchthausgeschichten von einem ehemaligen Züchtling - Erster Theil

Zuchthausgeschichten
von
einem ehemaligen Züchtling

von Joseph M. Hägele

 

Mit einem Vorwort
von
Dr. Alban Stolz
Professor an der Universität zu Freiburg.

 

Erster Theil

 

Inhalt:

I. Vorwort von Alban Stolz
II. Meine Vorgeschichte
III.Der Zuckerhannes
   1. Kinder und Jugendleben
   2. Im Thurm
      Die Geschichte des alten Mannes
   3. Der Zuckerhannes kommt aus dem Thurme
      Fortsetzung und Schluß der Geschichte des alten Mannes
   4. Der Zuckerhannes wandert fort und verliert sich selbst
   5. Ein Tag im Zuchthause
   6. Die letzten Jahre des Zuckerhannes

Münster, 1853.

[ ] Korrektur von Satzfehlern / correction of typos

Vorwort

Ich bin gebeten worden, dem Verfasser dieser Zuchthausgeschichten einenVerleger zu verschaffen; der Verleger wünschte dazu ein Vorwort von mir.Ich gebe es gern; ich hoffe dadurch nicht nur dem jungen Manne, den Gottdurch Verirrung und Unglück hindurch zum wahren Glück, zumüberzeugungsfesten Christenthum geführt hat, nützlich zu sein, sondern auchden Lesern, welche etwa durch meinen bekanntern Namen veranlaßt werdendieses Buch zur Hand zu nehmen.

Man hat viel Geschrei gemacht mit den Schwarzwälder Geschichten vonAuerbach. Es wäre nicht nothwendig gewesen. Auerbach ist keinSchwarzwälder, er ist ein Jude. Ein Jude wird nämlich niemals einSchwarzwälder, selbst wenn seine Vorfahren gleich nach der ZerstörungJerusalems an den Feldberg oder nach Todtnau gezogen und sichniedergelassen hätten. Eben deßhalb mag Auerbach immerhin äußereVorkommnisse auf dem Schwarzwald beschreiben; wenn er aber von dem Denkenund Fühlen des Schwarzwälders reden will, so muß er dieses aus seinerPhantasie nehmen, welche aber keine Schwarzwälder Natur, sondern die einesjüdischen Literaten hat. Man hat, so will es mir scheinen, Auerbachbesonders da viel gepriesen und gelesen, wo man blos unterhaltende Lektürewollte und das tägliche Futter, die Romanenliebeleien im SchwarzwälderBauernrock neu und pikant fand; auch mag mancher Posaunenbläser desLiteraturmarktes den Meister Auerbach deßhalb gepriesen haben, weil er dasVerdienst hat kein Christ zu sein.

Die Zuchthausgeschichten, welche hier vorliegen, halte ich für besser alsAuerbachs Dorfgeschichten. Der Stoff ist wahr, und die kräftigeDurchführung kommt aus einem Schwarzwälder Naturell und aus einer Seele,die selbst Schweres durchgemacht hat; es ist aber überhaupt eine vielinteressantere und nützlichere Lektüre für einen geistiggesunden Menschendie Darstellung, wie Gottes Wege und die Wege des Menschen, wie große Sündeund großes Unglück in einandergreifen, als was ein Literat lustigzusammenphantasirt hat. Ich hoffe, daß die Leser sich nicht stoßen werdenan manchen Derbheiten; der Verfasser konnte nicht Alle umgehen, wenn erlebensgetreu schildern sollte; und es scheint mir eigentlich nur einesittliche Kränklichkeit, wenn man alsbald Aergerniß nehmen zu müssenglaubt, wo Wort und That des rohern verkommnern Menschen unverhülltmitgetheilt werden.

Nicht minder beachtenswerth ist diese Schrift aber auch bezüglich des stetsnoch unentschiedenen Streites, ob Zellengefängniß oder gemeinsame Haft inZuchthäusern den Vorzug verdienen. In dieser Frage wird es wohl keinencompetentern Schiedsrichter geben, als den, der nicht aus Büchern undkopfloser Sentimentalität spricht, sondern selbst die Sache durchgelebthat, wie der Verfasser dieser Zuchthausgeschichten. Ich habe außer dem, wasmein Klient aus eigener Erfahrung darthut, auch noch ein anderes Tagbucheines gebildeten Zellengefangenen gelesen, der seine nach der Entlassungerprobte Bekehrung gleichfalls der Einzelhaft zuschreibt. Nun reducirt sichzuletzt der Streit darauf: Die Einzelhaft ist drückender und führt zuweilenselbst zur Verrücktheit; hingegen kann bei der Einzelhaft viel regelmäßigerauf Bekehrung gerechnet werden, als bei gemeinsamer Haft, ja diese ist inder Regel der Anlaß zu gründlicherer sittlicher Verwüstung, so daß wer miteinem Teufel ins Zuchthaus kömmt, oft mit sieben hinausgeht. Ein Christ,der dieses weiß, kann nicht in Zweifel sein, was vorzuziehen ist. Wenn mandie Eierschalen gelehrter Bücher abgestreift hat und auf eigenen Füßengeht, so wird man letztlich nicht dafür halten, daß um eine möglicheGeistesstörung zu vermeiden lieber der Verbrecher im Morast schlechterKameradschaft belassen werden müsse. Alle Formen des Wahnsinns sindKrankheiten der Grenzorgane zwischen Geist und Leib; sie binden allerdings

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