Das Kloster bei Sendomir
Grillparzer, Franz, 1791-1872
German
We will print you a perfectly bound paperback of your selected title and send it to you at your nominated address
Below is a summary of Das Kloster bei Sendomir
DAS KLOSTER BEI SENDOMIR
von FRANZ GRILLPARZER
Erzaehlung
Nach einer als wahr ueberlieferten Begebenheit
Die Strahlen der untergehenden Sonne vergoldeten die Abhaenge eines der
reizendsten Taeler der Woiwodschaft Sendomir. Wie zum Scheidekuss
ruhten sie auf den Mauern des an der Ostseite fensterreich und
wohnlich prangenden Klosters, als eben zwei Reiter, von wenigen
Dienern begleitet, den Saum der gegenueberliegenden Huegelkette
erreichten, und, von der Vesperglocke gemahnt, nach kurzem,
betrachtendem Verweilen, ihre Pferde in schaerfern Trott setzten,
taleinwaerts, dem Kloster zu.
Die Kleidung der spaeten Gaeste bezeichnete die Fremden. Breitgedrueckte,
befiederte Huete, das Elenkoller vom dunklen Brustharnisch gedrueckt,
die straffanliegenden Unterkleider und hohen Stulpstiefeln erlaubten
nicht, sie fuer eingeborne Polen zu halten. Und so war es auch. Als
Boten des deutschen Kaisers zogen sie, selbst Deutsche, an den Hof des
kriegerischen Johann Sobiesky, und, vom Abend ueberrascht, suchten sie
Nachtlager in dem vor ihnen liegenden Kloster.
Das bereits abendlich verschlossene Tor ward den Einlassheischenden
geoeffnet, und der Pfoertner hiess sie eintreten in die geraeumige
Gaststube, wo Erfrischung und Nachtruhe ihrer warte; obgleich, wie er
entschuldigend hinzusetzte, der Abt und die Konventualen, bereits zur
Vesper im Chor versammelt, sich fuer heute die Bewillkommnung so werter
Gaeste versagen muessten. Die Angabe des etwas misstrauisch blickenden
Mannes ward durch den eintoenigen Zusammenklang halb sprechend, halb
singend erhobener Stimmen bekraeftigt, die, aus daempfender Ferne durch
die hallenden Gewoelbe sich hinwindend, den Chorgesang einer
geistlichen Gemeine deutlich genug bezeichneten.
Die beiden Fremden traten in das angewiesene Gemach, welches, obgleich,
wie das ganze Kloster, offenbar erst seit kurzem erbaut, doch
altertuemliche Spitzformen mit absichtlicher Genauigkeit nachahmte.
Weniges, doch anstaendiges Geraete war rings an den Waenden verteilt.
Die hohen Bogenfenster gingen ins Freie, wo der in Osten aufsteigende
Mond, mit der letzten Abendhelle kaempfend, nur sparsame Schimmer auf
die Erhoehungen des hueglichten Bodens warf, indes in den Falten der
Taeler und unter den Baeumen des Forstes sich allgemach die Nacht mit
ihrem dunkeln Gefolge lagerte, und stille Ruhe, hold vermischend,
ihren Schleier ueber Belebtes und Unbelebtes ausbreitete.
Die eigenen Diener der Ritter trugen Wein auf und Abendkost. Ein
derbgefuegter Tisch, in die Bruestung des geoeffneten Bogenfensters
gerueckt, empfing die ermuedeten Gaeste, die, auf hohe Armstuehle gelagert,
sich bald an dem zauberischen Spiele des Mondlichtes ergoetzten, bald,
zu Wein und Speise zurueckkehrend, den Koerper fuer die Reise des
naechsten Tages staerkten.
Eine Stunde mochte auf diese Art vergangen sein. Die Nacht war
vollends eingebrochen, Glockenklang und Chorgesang laengst verstummt.
Die zur Ruhe gesendeten Diener hatten eine duesterbrennende Ampel, in
der Mitte des Gemaches haengend, angezuendet, und noch immer sassen die
beiden Ritter am Fenster, im eifrigen Gespraech; vielleicht vom Zweck
ihrer Reise, offenbar von Wichtigem. Da pochte es mit kraeftigem
Finger an die Tuere des Gemaches, und ehe man noch, ungern die Rede
unterbrechend, mit einem: Herein! geantwortet, oeffnete sich diese, und
eine seltsame Menschengestalt trat ein, mit der Frage: ob sie Feuer
beduerften?
Der Eingetretene war in ein abgetragenes, an mehreren Stellen
geflicktes Moenchskleid gehuellt, das sonderbar genug gegen den derben,
gedrungenen Koerperbau abstach. Obgleich von Alter schon etwas gebeugt
und mehr unter als ueber der Mittelgroesse, war doch ein eigener Ausdruck
von Entschlossenheit und Kraft ueber sein ganzes Wesen verbreitet, so
dass, die Kleidung abgerechnet, der Beschauer den Mann eher fuer alles,
als fuer einen friedlichen Sohn der Kirche erkannt haette. Haar und
Bart, vormals augenscheinlich rabenschwarz, nun aber ueberwiegend mit
Grau gemischt und, trotz ihrer Laenge, stark gekraeuselt, draengten sich
in dichter Fuelle um Stirne, Mund und Kinn. Das Auge, kloesterlich
gesenkt, hob sich nur selten; wenn es aber aufging, traf es wie ein
Wetterschlag, so grauenhaft funkelten die schwarzen Sterne aus den
aschfahlen Wangen, und man fuehlte sich erleichtert, wenn die breiten
Lider sie wieder bedeckten. So beschaffen und so angetan, trat der
Moench, ein Buendel Holz unter dem Arme, vor die Fremden hin, mit der
Frage: ob sie Feuer beduerften?
Die beiden sahen sich an, erstaunt ob der seltsamen Erscheinung.
Indessen kniete der Moench am Kamine nieder und begann Feuer anzumachen,
liess sich auch durch die Bemerkung nicht stoeren, dass man gar nicht
friere, und seine Muehe ueberfluessig sei. Die Naechte wuerden schon rauh,
meinte er und fuhr in seiner Arbeit fort. Nachdem er sein Werk
vollendet, und das Feuer lustig brannte, blieb er ein paar Augenblicke
am Kamin stehen, die Haende waermend, dann, ohne sich scheinbar um die
Fremden zu bekuemmern, schritt er schweigend der Tuere zu.
Schon stand er an dieser und hatte die Klinke in der Hand, da sprach
einer der Fremden: "Nun Ihr einmal hier seid, ehrwuerdiger
Back