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Rückblicke

Grünfeld, Walter

German



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Below is a summary of Rückblicke








Copyright (C) 1998 by Frank Dekker





Rueckblicke

Dr. rer. pol. Walter Gruenfeld



Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Fruehes Panorama und Vorgeschichte
Kapitel 2 Die Familie und Kattowitz
Kapitel 3 Kindheit und fruehe Jugend
Kapitel 4 Kattowitz kommt zu Polen
Kapitel 5 Als Student in der Weimarer Republik
A) Berlin
a) Leben und Studium
b) ... und politische Betaetigung
B) Muenchen
C) Zwischen Breslau und zu Hause
Kapitel 6 Nach dem Ende von Weimar
Kapitel 7 Emigration nach Hause, in Polen
Kapitel 8 Der 2. Weltkrieg bricht aus
Kapitel 9 Kriegsfluechtling
Anmerkungen
Literatur



Kapitel 1

Fruehes Panorama und Vorgeschichte

Wenn man von einem Nachmittagsausflug nach dem Franziskanerkloster
Panewnik durch einen damals reichen, gruenen Laubwald zurueckwanderte
und aus dem Wald trat, da hatte man, von leichter Anhoehe, ein gutes
Panorama von Kattowitz vor sich, mit dem benachbarten Zalenze und
einigen noch weiter westlich und oestlich gelegenen Industriegemeinden,
aber man erschrak auch, denn man sah, wie alle diese bewohnten
Gegenden in dichte Wolken von Dunst und Rauch getaucht waren. Und
dort lebten wir also. Musste man also jetzt dorthin zuruecklaufen?
Das war aber nur eines von recht wenigen Malen, dass ich das als Kind
gefragt habe. Fuer mich war diese Silhouette der Kohlengruben, Eisen-
und Zinkhuetten, die sich da wie eine Kette von Ost nach West inmitten
der Ortschaften hinzogen, eine Faszination, es war die Heimat, in der
und mit der man lebte. Ja, es gab dort oft so einen Geruch und
Geschmack nach Rauch, er war wuerzig, man kannte ihn. Aber die Natur
reichte an die Stadt heran; um die Stadt war viel unbebautes Feld,
teils angebaut mit Roggen, Hafer, viel Kartoffeln, Kohl und Rueben,
teils ganz leer, hart und steinig, holprig, die sogenannten
Bruchfelder, die besonders stark von einer Grube unterbaut waren.

Dann weiter im Sueden begann der Wald, das waren die Auslaeufer der
grossen Waelder des Fuerstentums Pless, die etwa dreissig Kilometer bis
Pless sich ausstreckten. Man konnte zum Nachmittagskaffee durch den
Wald nach "Emanuelssegen", Murcki, laufen. Da war nicht nur eine
Gartenwirtschaft, sondern auch eine grosse Kohlengrube, die eigentlich
in einer sehr grossen Lichtung im Wald lag. Weiter suedlich lag dann
in den Plesser Waeldern der Paprozaner See. Dort gab es nicht nur das
Jagdschloesschen Promnitz. Da war auch einmal ein "Eisenhammer". Man
konnte die Ueberreste noch sehen. Es wurde viel Holz und Holzkohle
dafuer gebraucht, aber jetzt war die Eisenverhuettung zu den
Kohlenfloezen gezogen, wo sie zu enormen Unternehmungen wurde, das
oberschlesische Industrierevier. Es entstand aus alten Dorfgemeinden
die Kette von Industrieortschaften. Vor allem an den
Hauptverkehrsadern gingen sie ineinander ueber. Dazwischen waren
groessere und alte Staedte wie Beuthen und die viel juengere, erst im 19.
Jahrhundert entstandene Stadt Kattowitz. Die Orte hatten eine oder
mehrere Kohlengruben als wirtschaftliche Basis und einige hatten
Eisenhuetten und Stahlwerke oder Zinkerzgruben und -huetten.

Das war ein frueher Eindruck meiner Kindheit. Wir lebten in Kattowitz,
ein Teil der Familie in Beuthen, und wir besuchten sie dort oft.
Das waren etwa eineinhalbstuendige Wagenreisen, spaeter nach 1918 nur
noch halbstuendige Autofahrten durch diesen Teil des Industriereviers,
etwa fuenfzehn Kilometer. Ich kannte bald die Namen der Orte, Gruben
und Werke, an denen wir vorbeifuhren, alle mit Halden, besonders
russig und rauchig.

Meine ersten Kindheitserinnerungen an die Menschen in Oberschlesien
zeigen kaum Spuren von den grossen Konflikten spaeterer Jahre und wie
man von Heute darauf zurueckblickt. Ich war 1908 in Kattowitz geboren.
Dazwischen liegen zwei Weltkriege, der Zerfall von drei
Kaiserreichen, die so tragisch vergeblichen Existenzkaempfe der
Weimarer Republik und des unabhaengigen Polens und dann die
Nazikatastrophe, die Deutschland, Europa und die ganze Welt, und noch
so besonders unbeschreiblich uns Juden betroffen hat.

Ueber den oberschlesischen Menschen ist oft geschrieben worden. Die

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