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Römische Elegien

Goethe, Johann Wolfgang von, 1749-1832

German



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Below is a summary of Römische Elegien






Roemische Elegien

Johann Wolfgang Goethe


Wie wir einst so gluecklich waren,
Muessens jetzt durch euch erfahren.



1.

Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Palaeste!
Strassen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?
Ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
Ewige Roma; nur mir schweiget noch alles so still.
O wer fluestert mir zu, an welchem Fenster erblick ich
Einst das holde Geschoepf, das mich versengend erquickt?
Ahn ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer
Zu ihr und von ihr zu gehn, opfre die koestliche Zeit?
Noch betracht ich Kirch und Palast, Ruinen und Saeulen,
Wie ein bedaechtiger Mann schicklich die Reise benutzt.
Doch bald ist es vorbei: dann wird ein einziger Tempel
Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfaengt.
Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe
Waere die Welt nicht die Welt, waere denn Rom auch nicht Rom.



2.

Ehret, wen ihr auch wollt! Nun bin ich endlich geborgen!
Schoene Damen und ihr, Herren der feineren Welt,
Fraget nach Oheim und Vetter und alten Muhmen und Tanten,
Und dem gebundnen Gespraech folge das traurige Spiel.
Auch ihr uebrigen fahret mir wohl, in grossen und kleinen
Zirkeln, die ihr mich oft nah der Verzweiflung gebracht,
Wiederholet, politisch und zwecklos, jegliche Meinung,
Die den Wandrer mit Wut ueber Europa verfolgt.
So verfolgte das Liedchen "Malbrough" den reisenden Briten
Einst von Paris nach Livorn, dann von Livorno nach Rom,
Weiter nach Napel hinunter, und waer er nach Smyrna gesegelt,
Malbrough! empfing ihn auch dort, Malbrough! im Hafen das Lied.
Und so musst ich bis jetzt auf allen Tritten und Schritten
Schelten hoeren das Volk, schelten der Koenige Rat.
Nun entdeckt ihr mich nicht sobald in meinem Asyle,
Das mir Amor der Fuerst, koeniglich schuetzend, verlieh.
Hier bedecket er mich mit seinem Fittich; die Liebste
Fuerchtet, roemisch gesinnt, wuetende Gallier nicht:
Sie erkundigt sich nie nach neuer Maere, sie spaehet
Sorglich den Wuenschen des Manns, dem sie sich eignete, nach.
Sie ergoetzt sich an ihm, dem freien, ruestigen Fremden,
Der von Bergen und Schnee, hoelzernen Haeusern erzaehlt;
Teilt die Flammen, die sie in seinem Busen entzuendet,
Freut sich, dass er das Gold nicht wie der Roemer bedenkt.
Besser ist ihr Tisch nun bestellt; es fehlet an Kleidern,
Fehlet am Wagen ihr nicht, der nach der Oper sie bringt.
Mutter und Tochter erfreun sich ihres nordischen Gastes,
Und der Barbare beherrscht roemischen Busen und Leib.


3.

Lass dich, Geliebte, nicht reun, dass du mir so schnell dich ergeben!
Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir.
Vielfach wirken die Pfeile des Amors: einige ritzen,
Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz.
Aber maechtig befiedert, mit frisch geschliffener Schaerfe
Dringen die andern ins Mark, zuenden behende das Blut.
In der heroischen Zeit, da Goetter und Goettinnen liebten,
Folgte Begierde dem Blick, folgte Genuss der Begier.
Glaubst du, es habe sich lang die Goettin der Liebe besonnen,
Als im Idaeischen Hain einst ihr Anchises gefiel?
Haette Luna gesaeumt, den schoenen Schlaefer zu kuessen,
O, so haett ihn geschwind, neidend, Aurora geweckt.
Hero erblickte Leandern am lauten Fest, und behende
Stuerzte der Liebende sich heiss in die naechtliche Flut.
Rhea Silvia wandert, die fuerstliche Jungfrau, den Tiber,
Wasser zu schoepfen, hinab, und sie ergreifet der Gott.
So erzeugte die Soehne sich Mars!--Die Zwillinge traenket
Eine Woelfin, und Rom nennt sich die Fuerstin der Welt.


4.

Fromm sind wir Liebende, still verehren wir alle Daemonen,
Wuenschen uns jeglichen Gott, jegliche Goettin geneigt.
Und so gleichen wir euch, o roemische Sieger! Den Goettern
Aller Voelker der Welt bietet ihr Wohnungen an,
Habe sie schwarz und streng aus altem Basalt der Aegypter,
Oder ein Grieche sie weiss, reizend, aus Marmor geformt.
Doch verdriesset es nicht die Ewigen, wenn wir besonders
Weihrauch koestlicher Art einer der Goettlichen streun.
Ja, wir bekennen euch gern: es bleiben unsre Gebete,
Unser taeglicher Dienst Einer besonders geweiht.

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