Im grünen Tann
Achleitner, Arthur, 1858-1927
German
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Below is a summary of Im grünen Tann

Im grünen Tann
Schwarzwaldnovellen
von Arthur Achleitner
Berlin
Verein der Bücherfreunde
Schall & Grund
Inhalt
Die Herzogskerze
Giftklärle
Der Pelagier
Die Herzogskerze
Über den „toten Bühl“, einen Teil der Hochebene im südlichen
Schwarzwald Badens, braust der Herbstwind in langen Stößen; es seufzt
der Tann in den niederen Lagen, oben aber auf der kahlen Höhe ächzen die
wenigen alten knorrigen Buchen und am einsam ragenden Kruzifix bebt die
Holzfigur des Heilandes, nachdem Regen und Wind die Holznägel gelockert
und die Befestigung mürbe gemacht haben. Öd und rauh, unwirtlich ist
dieser Strich badischen Schwarzwaldlandes, den der Volksmund selbst
bezeichnend den „toten Bühl“ nennt, weil die Hügelreihe wahrhaftig an
den Tod der Natur gemahnt, heimgesucht von scharfem Westwind und
häufigem starken Schneefall, der schon auf die alten Strohdächer der
Walddörfer fällt, wenn drüben am glitzernden Rhein, im sonnigen Garten
des badischen Unterlandes Wiesen und Matten noch im spätsommerlichen
Glanze prangen. Einzelne Gemarkungsnamen verraten nur zu deutlich die
Selbstkritik der Wäldler über ihre engste, selten verlassene Heimat;
hier heißt ein Wiesengrund das „elende Löchle“, dort eine
felsendurchsetzte, von Bergföhren umwucherte Fläche das „öde Land“. Und
verschlossen, rauh wie seine Heimat ist auch der Hauensteiner in dieser
alten Gemarkung mit seiner zähen Anhänglichkeit an die alten Zeiten, an
die sagenhaften alten „Handfesten und Privilegy“ des Grafen Hans, an sie
Einung und mittelalterliche Reichsunmittelbarkeit mit ihren schweren
Kämpfen gegen Obrigkeit und neues Recht. „Hotzen“ heißen die Bewohner
des Hauensteiner Waldgrundes nach ihrer künstlich gefälteten Pluderhose,
die oft zehn bis zwölf Ellen Tuch beansprucht, wenn die nach Geschmack
und Brauch der stämmigen alemannischen Wäldler sein soll. Der über die
unwirtlichen Höhen brausende Wind erzählt den Wäldlern manches von
goldener Freiheit, die auf den herüberblinkenden Schweizer Bergen
herrscht, er singt in kraftvoller Weise von Unabhängigkeit, wie sie in
den Urkantonen des Nachbarlandes gedeiht; nichts aber dringt herein in
den Tannichtschatten und in das Waldesweben von neuer, anderer Zeit, und
unberührt bleibt der Hauensteiner vom Getriebe einer fremden Welt.
Immer schärfer bläst der Wind aus West; schwarzgrau verhangen ist das
Firmament, schon wirbeln einzelne Flocken über den „toten Bühl“ als
Vorboten des frühen Winters mit seiner unerbittlich strengen Herrschaft,
so er sich einmal eingenistet hat im öden Waldstrich, der hochgelegenen
Heide und in den wuchtigen Steinfeldern. Immer dringlicher rüttelt der
Wind an den mächtigen moosumwucherten Strohdächern des einsam im „toten
Bühl“ liegenden Dörfchens Hochschür, als will er der Bedachung Stücke
entreißen und fort in die Lüfte führen, den armen Wäldlern zum Trutz.
Besonders wütet die Windsbraut um das einsam seitwärts dem Dörflein
stehende Wirtshaus, dessen vergilbtes Schild kaum noch erkennen läßt,
daß einst die drei Könige aus dem Morgenland Schutzpatrone für zechende
Hotzen gewesen sind. Die Hochschürer haben denn auch völlig auf die
morgenländischen Wirtshauskönige vergessen und lieber dem daneben
stehenden abgeworbenen Lindenbaum zu Ehren die weltverlassene Raststätte
zum „dürren Ast“ benamset, wo ein Säuerling verabreicht wird, der selbst
grimmig verrissene Schuhe wieder zusammen zu ziehen in der Lage ist. Das
sturmumtoste Wirtshaus ist geflickt, wo man es nur betrachtet; geflickt
durch eingefügte Strohbüscheln das uralte verwitterte Dach, geflickt die
eingedrückten Fensterscheiben durch Papierverklebung; die Thüren zeigen
gähnende Löcher, durch welche der Höhenwind wohl luftig pfeift und den
Qualm des Herdfeuers vergnüglich durch den Flur jagt bis hinter zum Tenn
und durch das wackelige Scheuerthor hinaus auf die „Einfahr“. Grimmig
gröhlt und rüttelt der Sturmwind am Hausgerät im „Schild“, im freien
Raum, der noch vom vorgehenden Dach überwölbt ist; doch mag es hier
knattern und krachen, ächzen und poltern, das Getöse lockt weder den
Wirt zum „dürren Ast“, noch sonst einen Inwohner aus dem Hause hervor,
und das Streulaub kann im tollsten Getriebe um das Haus wirbeln, niemand
wird den Hausen etwa mit Tannicht biegen oder mit Steinen beschweren, um
einer Entführung vorzubeugen. Streitpeterle, der Wirt zum „dürren Ast“
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