Bergrichters Erdenwallen
Achleitner, Arthur, 1858-1927
German
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Below is a summary of Bergrichters Erdenwallen
Bergrichters Erdenwallen
Hochlandsroman
von
Arthur Achleitner
Berlin.
Alfred Schall,
Königliche Hofbuchhandlung
Verein der Bücherfreunde.
Dem großen Criminalisten und Strafrechtslehrer
Herrn Professor Dr. Hans Groß
verehrungsvoll gewidmet.
I.
In großer Erregung umstehen Bauersleute, Knechte undMägde das Gehöft des Servaz Amareller, Bauers imHemmernmoos, und besprechen den unerhörten Fall einesgroßen Gelddiebstahles. Nach den im Jammerton immer wiedervorgebrachten Beteuerungen des dürren, kleinen Amarellers isteine Brieftasche mit über fünfhundert Gulden, dem Betragfür verkauftes Vieh, aus einer gut versperrt gewesenen Truhegestohlen, ganz rätselhaft entwendet worden. Gestern nochüberzeugte sich Servaz Amareller durch Abzählen der Notenvon dem Vorhandensein des Geldbetrages worauf die Truhe wiedersorglich verschlossen und der Schlüssel im Ofenloch verstecktwurde. Heute ist das Geld verschwunden, wiewohl niemand Fremdes imHause gesehen und der Schlüssel im Aschenversteck vorgefundenwurde. Die Nachbarn, von der überraschenden Neuigkeitverständigt, stimmen dem jammernden Bestohlenen zu, daßnur eines von den Hausleuten selbst den Diebstahl habevollführen können, weil sich weder an der Hausthürenoch an den mit Eisenstäben vergitterten Fenstern Spuren einesgewaltsamen Eindringens vorfinden lassen. Schon zweimal haben dieBauern die Front sowie die Seiten des Gehöftes in Bezug aufAnzeichen eines Einbruches von Außen untersucht, es ist nichtdas Geringste zu entdecken. Das Geld ist aber fort, die Truheaufgesprengt. Amarellers Jüngster mußte sogleich nachder Entdeckung des Diebstahles hinaus zur Gendarmerie zur Anzeige,und jeden Augenblick steht die Ankunft eines Gendarmen zuerwarten.
Die Bauern erörtern in lebhafter Weise die Frage, wersolcher, in Tirol unerhörter Frevelthat genügendverdächtig sein könnte. Die Inwohner sind durchausehrliche Leute, wenigstens bis gestern seit Jahren gewesen; ohneäußere Anzeichen eines Eindringens kann es nicht anderssein, als daß einer der Dienstboten schuldig des Diebstahlsist. Aber wer?
Einer der Nachbarn warf die Frage auf, ob denn der Hund desAmareller gar nichts gemeldet habe. Der dürre Servazbeteuerte: „Sell ischt frei aus der Weis'! No nia hat si' aDörcher zurwig'wagg und grad heunt Nacht muß selleFrevelthat passiren! Ich versteh' 's nuit, wie sall öpper hatzuageahn können! Suscht so a scharfer Hund, und grad heuntNacht laßt er aus, der Saggrasultan! I kann's selm nuitverstiahn!“
Die andern verstehen den Fall, daß der als scharf undbissig bekannte Hofhund einen Dieb eingelassen haben soll, auchnicht.
Der Falgerbauer folgerte daraus, daß der Dieb entwedereine Wurst für den Sultan mitgebracht oder sich in Abwesenheitdes Hundes eingeschlichen haben mußte.
Wohl an zwei Stunden sprachen die Leute über denrätselhaften Diebstahl und tranken dabei von Amarellersbereitwillig kredenztem Röthel, weil so ein erregter Diskurssoviel Durst erzeugt.
Als aber die Gestalt des heranrückenden Gendarmen sichtbarwurde, schickte man Flasche und Gläser sogleich ins Hauszurück, wobei Amareller sagte, es schicke sich nicht, vor derObrigkeit Wein zu trinken, besonders nicht, wenn einem überfünfhundert Gulden Bargeld gestohlen worden sind. Könntedas Steueramt erfahren, daß einer trotz des Diebstahles nochWein im Keller habe, wie leicht könnte es sein, daß dasSteueramt einen dafür höher einschätzt in derSteuer.
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